Der Vorsitzende der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen, Rüdiger Heßling, hat am Sonnabend, 3. September, 15 freiwilligen Müllern ihre Urkunden, sogenannte Müllerbriefe, an der Wassermühle Karoxbostel überreicht. Seit März hatte Müllermeister Franz Rosenkranz die 13 Männer und zwei Frauen jeden Sonnabend von 10 bis 16 Uhr an der Wassermühle Karoxbostel in Theorie und Praxis der Müllerei ausgebildet. Hinzu kamen noch Übungsabende in der Woche. „Wir waren doch überrascht, wie viel Ausbildungsstoff wir lernen mussten“, sagt „Müllergeselle“ Wilfried Koppermann aus Meckelfeld. 

Die Teilnehmer sollen eine Wassermühle sicher bedienen sowie alle Pflege- und Wartungsarbeiten selbstständig ausführen können.“Ganz wichtig sind dabei die Themen Arbeitsschutz und Unfallverhütungsvorschriften“, betont Rüdiger Heßling. Die freiwilligen Müller haben darüber hinaus Kenntnisse über die physikalischen und konstruktiven Grundlagen beim Bau und beim Betrieb einer Wassermühle erworben. Rüdiger Heßling hatte es zudem selbst übernommen, den Teilnehmern Einblicke in die historische Entwicklung der Mühlentechnik und des Müllereigewerbes zu vermitteln. Die freiwilligen Müller haben auch gelernt, wie wichtig Sauberkeit und Ordnung bei der Verarbeitung des Getreides in einer Mühle sind. Müllermeister Franz Rosenkranz ist sehr stolz auf seine „Gesellen“. „Alle haben super mitgezogen und die Gemeinschaft war großartig. Diese umfassende Ausbildung in Theorie und Praxis ist wichtig zum sachgerechten Betrieb der historischen Mühlen. Es wird immer schwieriger, Fachleute für den Betrieb zu finden“, erklärt der Müllermeister, der außer der Wassermühle Karoxbostel auch die Wassermühlen in Moisburg und Ovelgönne betreut. 

Der Kursus fand zum ersten mal an der Wassermühle Karoxbostel statt. „Normalerweise werden  diese Kurse in Syke bei Bremen durchgeführt. In der Wassermühle Karoxbostel fanden sich aber so viele Interessenten für den Kurs, dass die Mühlenvereinigung Niedersachesen-Bremen sich entschlossen hat, den Kurs in Karoxbostel stattfinden zu lassen“, erklärt Müllermeister Rolf Wessel von der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen. So konnten auch zwei Moisburger und ein Holmer Wassermüller ausgebildet werden. „Es ist schön, dass wir jetzt die Müller der anderen Mühlen kennen. So können wir uns gegenseitig helfen und viel besser austauschen“, findet der Moisbuger Wilfried Reincke. Auch zwei Müllerinnen haben die Prüfung bestanden: Für Andrea Domeyer war es besonders anstrengend, da sie während der Ausbildung ihren zweiten Sohn Eike bekommen hatte. „Die Zwischenprüfung  Anfang Juli konnte ich nicht mitmachen, aber Franz hat mit mir alles Versäumte nachgeholt. Das war einfach toll“, sagt die frischgebackene Müllerin.

 

Nach der feierlichen Übergabe der Urkunden  bedankten sich die „Müllergesellen“ mit einem bestickten Poloshirt und einem Restaurant-Gutschein bei ihrem „Franzl“ für die Ausbildung. Anschließend feierten die frischgebackenen Müller mit den Aktiven der Karoxbosteler Wassermühle die bestandene Prüfung mit Schweinebraten aus dem historischen Lehmbackofen und leckeren Salaten.