Als der Brief vom Bundespräsidialamt ankam, habe ich erst mal tief durchgeatmet. Eine Einladung vom Bundespräsidenten zum Bürgerfest! Wir sind zwar sehr stolz auf unsere Mühlenfreunde und unsere „Schöne“, aber eine Einladung nach Berlin ins Schloss Bellevue fand ich doch ein wenig zu hoch gehängt. Und dann gab es da noch ein Problem: die Einladung war nur an Carsten und mich gegangen, dabei hätten es alle Mühlenhelden auch so sehr verdient gehabt. Also sagte ich erst einmal nichts in der großen Samstagsrunde. Christina hab ich es dann aber doch erzählt und sie hat sich einfach nur gefreut über die Ehre für den Verein und sie meinte, dass wir unsere Mühle in Berlin würdig vertreten müssen. 

Danach konnten wir uns so langsam mit dem Gedanken anfreunden, die Einladung anzunehmen. Unsere Jungs waren auch eingeladen und das war wirklich schön. Nun galt es ein weiteres Problem zu lösen. Was ziehen wir an?  Für Carsten und die Jungs war es einfach, da der Dresscode Anzug oder Uniform vorschrieb. Also waren für die Jungs neue Anzüge fällig. Aber wofür sollte ich mich entscheiden? Kostüm oder kurzes Kleid? Ich hab mich für ein bequemes elegantes Sommerkleid entschieden. Freitagmorgen ging es los. Die Fahrt nach Berlin war entspannt und alle hatten gute Laune. Christina hatte alle Vorbereitungen für den Tag des Denkmals am Sonntag im Griff. Bei unseren Freunden Astrid und Steve angekommen, machten wir es uns erst einmal in der Gäste-Etage ihrer wunderschön renovierten Stadtvilla gemütlich. Es war ein heißer Spätsommertag. Carsten hatte entschieden, von Waidmannslust zunächst mit der S-Bahn und dann ab dem Brandenburger Tor weiter die letzten vier Stationen mit dem Bus zu fahren. Die Jungs und ich hätten eigentlich lieber ein Taxi genommen. Trotz unseres anfänglichen Murrens erwies sich die Entscheidung als richtig. Berlin am Freitagnachmittag ist noch verstopfter als Hamburg. Mit dem Taxi hätten wir keine Chance gehabt, entspannt und pünktlich am Schloss Bellevue anzukommen. Im überfüllten Doppeldecker-Bus war es sehr heiß. Aus Sicherheitsgründen durfte der Bus nicht an der regulären Haltestelle direkt vor dem Schloss halten, sondern musste ein Stück weiterfahren. Die Passagiere marschierten in Reih und Glied zum Eingangstor. Die Einlasskontrolle war sehr streng, alles wurde durchleuchtet - auch die Jacketts. 

Vor dem Schloss Bellevue machten wir die ersten Fotos. Begleitet von belgischen Stelzenläufern in historischen Uniformen schritten wir Richtung Eingangsportal. Über einen roten Teppich ging es ins Foyer des Schlosses und über die große Freitreppe in den Park. Der Anblick war schon großartig. Welch gewaltiger Aufwand für die Ehrenämtler! Auf der Parkbühne spielte das 76-köpfige Daimler Sinfonieorchester. Bis dato hatte ich noch nie etwas von diesem Orchester gehört, dabei sind sie richtig gut. In vielen Zelten wurden Erfrischungen angeboten und überall luden festlich eingedeckte Tafeln zum Verweilen ein. Viel unauffälliges Sicherheitspersonal hatte sich unter die Besucher gemischt. Kein Wunder, waren doch neben dem Bundespräsidenten und seiner Lebensgefährtin auch die Bundeskanzlerin, der belgische Ministerpräsident, zahlreiche Minister und Bundestagsabgeordnete anwesend. Zuerst haben wir das Gelände erkundet. Welch Zufall, dass die Drogeriemarktkette DM, von der die Mühle gerade mit dem regionalen HelferHerz-Preis  ausgezeichnet worden ist, einen Stand aufgebaut hatte, an dem alle HelferHerzen auf einer Deutschlandkarte steckten. Nach ein bisschen Suchen haben wir das Mühlen-HelferHerz gefunden und Carsten hat natürlich alles fotografiert. Nach der offiziellen Eröffnung des Bürgerfestes durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck sind wir - manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig -  allein, ohne den Familientross durch den Park geschlendert. Auch aus dem Landkreis Harburg haben wir einige Bekannte getroffen. Auf dem Weg zum Eisstand liefen uns Heike und Ulf Alsguth aus Meckelfeld über den Weg. Sie waren genauso erstaunt wie wir, dass wir uns ausgerechnet beim Bürgerfest des Bundespräsidenten in die Arme liefen. Normalerweise hätten wir uns  an dem Abend im Ric in Hittfeld bei dem Auftritt von Lalelu gesehen. Am Stand des Deutschen Waldbesitzerverbandes haben Carsten und die Jungs unseren Kreisjägermeister Norbert Leben und seine Frau Elke getroffen, während ich gerade ganz wo anders war. Viele anregende Gespräche haben wir geführt und viel gesehen an diesem Abend. In der Dämmerung wurden Licht-Projektionen auf Schloss Bellevue geworfen. Kurz bevor wir uns auf den Weg zu unserem Nachtquartier machen wollten, sind wir noch einmal bei Norbert Leben am Stand vorbeigegangen, um uns zu verabschieden. Wir plauderten noch ein wenig, als der Bundespräsident angekündigt wurde. Tatsächlich erschien der Tross mit Joachim Gauck an der Spitze auch wenig später am Stand der Waldbesitzer. So konnten wir am Ende dieses ereignisreichen Tages sogar noch einige Sätze mit dem Bundespräsidenten wechseln. Ein beeindruckender Mensch. Erstaunlich, wie interessiert und zugewandt er den Bürgern begegnet. Unter den Eindrücken dieses besonderen Tages fuhren wir mit Bus und S-Bahn zurück zu unseren Freunden nach Waidmannslust.

Vorm Einschlafen waren die Gedanken schon wieder bei den Vorbereitungen zum Tag des offenen Denkmals an der Mühle. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit unseren Freunden starteten wir Richtung Karoxbostel, wo wir noch während des Mühlenputzes ankamen.

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