zur Feier anlässlich der Verleihung des

Deutschen Preises für Denkmalschutz an den

Verein Wassermühle Karoxbostel am 3. November

in der Karoxbosteler Mühle

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Sehr geehrte Frau Weede,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mühlenretter,

Sie bringen mich schon zum Staunen und haben meine uneingeschränkte Bewunderung. Jetzt schon fragt man sich, was kann noch kommen: Schließlich sind sie Träger des Kultursommerpreises des Landkreises Harburg, haben den Landespreis für Denkmalpflege erhalten und Sie, liebe Emily Weede, wurden erst in diesem Jahr mit dem Niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Was könnte nun noch fehlen? Richtig: der Deutsche Preis für Denkmalpflege.

Und was soll ich sagen – Sie haben ihn bekommen!

Die Wassermühle Karoxbostel ist bundesweit ein Vorzeigeobjekt – das wurde jetzt noch einmal offiziell bescheinigt. Ein Vorzeigeobjekt, das auf den Schultern ganz vieler, unglaublich engagierter Menschen ruht – auf Ihren Schultern, liebe Frau Weede und liebe Mühlenretter.

Zu Ihrem großen Erfolg möchte ich Ihnen allen persönlich und im Namen des Landkreises Harburg meinen ganz herzlichen Glückwunsch aussprechen.

In den Zielen Ihres Vereins heißt es: „Wir leisten unseren Beitrag, um eine bessere Welt zu schaffen“, und wer die Wassermühle Karoxbostel besucht, spürt, dass genau das hier passiert.

Wir als Landkreis sind wirklich stolz auf Sie alle. Auch für uns ist es eine außergewöhnliche Ehre und Anerkennung, dass der höchste Denkmalpreis Deutschlands erstmals in den Landkreis Harburg geht.

Ein Preis, um den man sich nicht bewerben kann, sondern für den man vorgeschlagen und ausgewählt wird – Sie hatten immerhin den Deutschen Landkreistag als Fürsprecher.

Denkmale - sie prägen die Landschaft und geben ihr ein Gesicht. Sie bieten Geschichte zum Anfassen und erzählen Geschichten. Als Zeugen der Vergangenheit sind Denkmale vor allem aber auch kulturelles Gedächtnis. Sie schaffen Identität und Heimat und tragen zur Lebensqualität bei.

Die Wassermühle Karoxbostel ist ein Paradebeispiel dafür. Ihre Geschichte reicht Jahrhunderte zurück.

Bei diesem Gebäudeensemble handelt es sich um einen einzigartigen kultur- und wirtschaftshistorischen Schatz – den Sie, liebe Mühlenretter – aus dem Dornröschenschlaf erweckt haben.

Vor Jahrhunderten gab es die klappernde Mühle noch fast an jedem rauschenden Bach. Mühlen waren lebensnotwendig: Ohne Mühle kein

Mehl, ohne Mehl kein Brot, ohne Brot der Tod.

Noch vor 200 Jahren fanden sich hierzulande mehrere zehntausend Mühlen – vor 100 Jahren, vor allem aber nach dem Zweiten Weltkrieg, begann das große Mühlensterben. Innerhalb weniger Jahrzehnte verschwanden in Deutschland die meisten Mühlen sang- und klanglos von der Bildfläche – stillgelegt, verfallen, abgerissen.

Auch die Wassermühle Karoxbostel blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Zwar wurde noch bis in die 1970er Jahre gemahlen, danach aber verfiel die Anlage.

Dass es sie heute in dieser Form noch gibt, ist einzig und allein dem außergewöhnlichen Einsatz von Ihnen, liebe Frau Weede, und Ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern zu verdanken. Sie traten 2012 auf den Plan und Sie alle kennen die Geschichte der Mühlenrettung nur zu gut – alle Stationen dieses erfolgreichen Projektes noch einmal aufzuzählen, würde zu weit führen. Fakt ist: Die anhaltende Begeisterung und der enorme persönliche Einsatz der Mühlenretter war und ist einfach mitreißend!

Liebe Frau Weede, ich möchte Ihnen und Ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern für Ihr herausragendes Engagement herzlich danken: Die Mühle ist - wie man unschwer erkennen kann - bei Ihnen in sehr guten Händen. Nicht umsonst ist die Wassermühle Karoxbostel weit über die Grenzen unseres Landkreises hinaus bekannt – und das nicht nur bei ausgewiesenen Mühlen-Fans.

„Nur Steine allein reichen nicht, da muss Leben rein“, sagen Sie, liebe Frau Weede. Und das haben Sie geschafft! Mit Ihrem unermüdlichen Einsatz und Ihrer Tatkraft haben Sie nicht nur ein wertvolles Gebäude gerettet und ein Stück regionale Geschichte bewahrt, sondern es ist Ihnen vor allem gelungen, hier in Karoxbostel einen lebendigen Ort der Begegnung für Jung und Alt, vom Jugendlichen bis zum Rentner, entstehen zu lassen.

Die Wassermühle ist ein Ort, an dem jeder aktiv werden kann, und ein Ort, an dem sich jeder nach seinen Fähigkeiten, seinem Wissen und Interessen

engagieren kann. Jeder Beitrag ist wertvoll und wird geschätzt.

Die Wassermühle Karoxbostel bietet unter anderem Platz für kulturelle Veranstaltungen und für Schul- und Naturerlebnisprojekte. Hier kann man den traditionell bäuerlich-handwerklichen Alltag der Vergangenheit erleben.

Mit den Angeboten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung ist sie Lernort für Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen.

Auch soziale Projekte – etwa im Bereich der Altenhilfe oder der integrativen Arbeit von Menschen mit Behinderung – finden hier Raum. Das herzliche und mühelose Miteinander aller ist beispielhaft. Hinzu kommt die Schaffung eines attraktiven Umfelds, wie sie hier in Karoxbostel mit der Restaurierung der alten Sägerei und einem spannenden Jahresprogramm gelungen ist. Und sogar heiraten kann man bei Ihnen. Ein einmaliges Ambiente für den schönsten Tag des Lebens – wäre ich selbst nicht schon lange verheiratet, ich würde diesen Platz glatt ins Auge fassen.

Wer Sie kennt, liebe Frau Weede, weiß genau: Bei all dem wird es nicht bleiben. Sie haben schon weitere Pläne, bei denen das Außengelände eine große Rolle spielt. Erstmals haben Sie in diesem Jahr frischen Apfelsaft aus den eigenen Äpfeln der Streuobstwiese gepresst.

Ihr nächstes Ziel ist ein Mitmach- und Kulturgarten. Dort wollen Sie Kindern und Erwachsenen die Natur und verschiedene Landschaftsformen näherbringen - spielerisch, zum Mitmachen, mit Spaß und ohne erhobenen Zeigefinger. Ein wichtiges Vorhaben, wenn ich von Ihnen höre, dass nicht wenige Grundschüler Apfelkerne für Schnecken halten.

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz würdigt mit seiner Auszeichnung nicht nur ein besonderes Ensemble, sondern vor allem das große ehrenamtliche Engagement des Karoxbosteler Mühlenvereins, mit dem Sie das Leben im Landkreis Harburg reicher machen. Uns können Sie dabei an Ihrer Seite wissen: Der Landkreis Harburg wird den Mühlenverein auch weiter nach Kräften unterstützen.

Heute aber stoßen wir erst einmal auf Sie an und halten es dabei mit einem venezianischen Sprichwort: „Trink den Wein und lass das Wasser der Mühle.“

Vielen Dank!