Herzlich Willkommen
beim Verein Wassermühle Karoxbostel e.V.!

Wir freuen uns über Ihr Interesse an den Aktivitäten rund um die Wassermühle Karoxbostel.  Auf dieser Seite finden Sie alle wichtigen Informationen über die Wassermühle Karoxbostel in deutscher und englischer Sprache .

Die Historie der Wassermühle Karoxbostel 

Die Wassermühle Karoxbostel ist eine Wassermühle in dem kleinen Dorf Karoxbostel in der Gemeinde Seevetal in Niedersachsen, die an dieser Stelle bereits im Mittelalter entstanden ist. Die Hofstelle in Karoxbostel ist erstmals 1366 urkundlich erwähnt. Von 2012 bis 2017 restaurierten die Mitglieder des zu diesem Zweck 2012 von 88 Gründungsmittgliedern gegründeten Vereins Wassermühle Karoxbostel e.V. das stark verfallene Anwesen. Zum Denkmal-Ensembles Wassermühle Karoxbostel gehören das 1817 als Vierständerbau errichtete reetgedeckte Haupthaus, das 1893 von dem Mühlenbauer Pätzmann aus Winsen daran angebaute dreigeschossige Mühlengebäude sowie die 1900 fertiggestellte Sägerei. Die aufwendige Bauweise des Haupthauses und der Mühle zeugen vom Wohlstand der damals hier lebenden Müllerfamilie Meyer-Denecke. Das Haupthaus mit Eichenbestand und die angebaute Mühle sind denkmalgeschützt gemäß § 3, Abs. 2 NDSchG und §3, Abs. 3 NDSchG. In der Mühle gibt es drei Schrotgänge, einen Walzenstuhl und einen Quetschstuhl, die durch das eingehauste oberschlächtige Wasserrad angetrieben werden.

Die Wassermühle Karoxbostel ist erstmals 1438 urkundlich erwähnt. Die Mühle war bis zur Einführung der Gewerbefreiheit 1869 eine Zwangsmühle, dass heißt die Bauern, die dem Grundherrn der Mühle abgabepflichtig waren, mussten hier ihr Getreide mahlen lassen. Seit der Jahrhundertwende bis Anfang der 1970er Jahre wurde die Wassermühle auch zur Stromerzeugung genutzt. Der Generator und die Batterieanlage sind noch vorhanden.

Die in Holzbauweise errichtete Sägerei mit einem Venezianischem Gatter wurde ebenfalls von dem Mühlenbaubetrieb Pätzmann gebaut und ersetzte eine ältere Sägerei. Die Sägerei ist denkmalgeschützt gemäß §3, Abs. 3 NDSchG. Die drei Mühlenteiche sowie der Mühlenstau und der Abfluss sind ebenfalls nach §3, Abs. 3 NDSchG geschützt. Die Teiche werden vom Karoxbosteler Mühlenbach gespeist, der in der Gemeinde Rosengarten entspringt. Weiterhin gehören zum Hof-Ensemble das nicht unter Denkmalschutz stehende Backhaus sowie der, in den 1920er Jahren gebaute, ebenfalls nicht denkmalgeschützte Schweinestall.

Die letzten großen Umbauten im Haupthaus erfolgten 1895 als die Kuhstallwand erneuert und ein Keller eingebaut wurde. Ansonsten hat es kaum Veränderungen in den Gebäuden gegeben.

Der Hof wurde 1366 erstmals urkundlich erwähnt, die Mühle 1438. Seit 1783 wurde die Mühle von der Familie Meyer-Denecke betrieben. Am 1. Dezember 2011 verstarb August-Wilhelm Denecke als letzter Vertreter der Müller-Dynastie ohne direkte Erben.

2012 beurteilte der Oberkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Klaus-Georg Püttmann, die Bedeutung des „historischen Kleinods“ in einer fachlischen Stellungnahme für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) wie folgt: „Das Ensemble ist in einem baulich schlechten Zustand, jedoch in einer wenig gestörten Überlieferungslage. Es wurde in den Jahren wenig verändert, sodass sich ein Zustand aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts abbildet. Sowohl bauhistorisch als auch landes- und technikgeschichtlich sowie volkskundlich ergibt sich eine ausgeprägte Bedeutung, sodass die Erhaltung im besonderen öffentlichen Interesse liegt. Aufgrund des baulich schlechten Zustandes und der nach modernen Maßstäben ausschließlich unrentablen Gebäudezuschnitte stellt sich die Anlage insgesamt als offensichtlich unwirtschaftlich dar. Es ist daher eine positive Wendung, dass durch das Engagement des Vereins als neuem Eigentümer die Abbruchgefahr abgewendet wurde. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Verein ein denkmalfachlich hohes Niveau anstrebt und eine Abstimmung mit der Denkmalpflege gewährleistet ist. Sie zeigen zudem, dass dieser Verein die hohe Belastbarkeit und Kreativität besitzt, um das geplante, notgedrungen sehr umfangreiche Projekt auch erfolgreich durch zu führen.

Um das Gesamtprojekt realisieren zu können, ist der Verein auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Eine Beteiligung der DSD wird daher empfohlen. Da dieses Projekt fachlich sehr gut ist, seine Betreiber ein herausragendes ehrenamtliches Engagement zeigen und nicht zuletzt eine sehr breites Echo in der Bevölkerung und den Medien besteht, ist eine Förderung durch die DSD aus hiesiger Sicht sinnvoll.“

Zustand und Nutzung vor Beginn der Sanierungsarbeiten

Das Denkmal-Ensemble Wassermühle Karoxbostel wurde von dem letzten Eigentümer, August-Wilhelm Denecke, nach dem Tod seiner Mutter 1977 allein bewohnt und als landwirtschaftlicher Betrieb bis zu seinem Tod Ende 2011 bewirtschaftet. Die Mühle war bis Ende der 1970er Jahre teilweise in Betrieb. Die Sägerei war seit 70 Jahren nicht mehr betrieben worden. Die Gebäude verfielen in dieser Zeit zunehmend. Zahlreiche große Bäume und Sträucher überwucherten Teile des Denkmal-Ensembles. Eine umgestürzte Esche hatte die Sägerei unter sich begraben. Um mit den Sanierungsmaßnahmen beginnen zu können, mussten 2012 zunächst zirka 280 Kubikmeter Unrat vom Hofgelände und rund 50 Kubikmeter Mist aus dem Haupthaus entfernt werden. Die Nordseite des Reetdachs des Haupthauses war stark beschädigt, so das Regen und Schnee eindringen konnten. Das Zwerchhaus war durch alle drei Geschosse eingebrochen. Das Mühlenobergeschoss und das Dach waren teilweise eingestürzt. In der Außenfassade klaffte ein großes Loch. Die tragenden Balken in der Mühle waren in allen Geschossen stark angegriffen und teilweise nicht mehr vorhanden, ebenso sah es mit den Fußböden in der Mühle aus.

Das Wasserrad war verfallen. Bei einem der drei Mahlgänge hatten Regen und Frost die Mühlsteine zerstört. Das Stauwehr und der Teichmönch waren nicht mehr funktionsfähig. Die Mühlentechnik war zwar größtenteils noch vorhanden, aber nicht mehr funktionsfähig. Der Heuboden im Haupthaus war nicht mehr begehbar und zum Teil eingestürzt. Der Fußboden in der kleinen Stube war eingestürzt. Die Fußböden in der Müllerstube und den kleinen Stuben waren nur noch in Fragmenten vorhanden. An der Straßenfront des Haupthauses waren fünf Fenster und zwei Pferdeklappen durch Glasbausteine ersetzt worden. Im Haus waren zahlreiche neue Kalksandsteinwände aufgemauert worden, diese hatten aber alle keine Funktion. Die Jauchegrube des Hauses war eingestürzt. Das historische Hofpflaster vom Beginn des 19. Jahrhunderts war stark beschädigt und größtenteils mit einer dicken Humusschicht und darauf wurzelnden Bäumen bedeckt. Die zwei Schornsteine des Hauses waren bis zum ersten Stock abgebrochen. Die Pfannensättel waren nicht mehr vorhanden. Deshalb konnte das Gebäude in den letzten 35 Jahren vor dem Tod des letzten Eigentümers nicht beheizt werden. Die elektrische Anlage des Hauses, der Mühle und der Sägerei war nicht mehr funktionstüchtig oder gar nicht vorhanden. Die Fenster und Türen waren teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Im Haus waren keine funktionstüchtigen Sanitäranlagen vorhanden. Der Lehm- und Kalkputz im Haupthaus und in der Mühle war in vielen Räumen nicht mehr vorhanden, in anderen stark sanierungsbedürftig. Der Fliesenfußboden in der Küche war von Ratten unterwühlt. Das Rohr der Wasserleitung aus dem Mühlenteich in die Küche war defekt, sodass Wasser ins Mauerwerk eindrang. Die Sägerei war komplett eingestürzt; einzig das venezianische Sägegatter wurde von dem letzten Rest des Daches geschützt.

Das Projekt Wassermühle Karoxbostel und seine Ziele

Das Projekt Wassermühle Karoxbostel war ganz zu Beginn ein lokal begrenztes Projekt. Die Initiatoren kamen aus den angrenzenden Ortschaften. Schon bald nach der Vereinsgründung im Februar 2012 änderte sich die Situation. Die Zahl der Vereinsmitglied wuchs rasch und kontinuierlich auf mittlerweile rund 1100. Damit ist der Verein Wassermühle Karobostel deutschlandweit der mitgliederstärkste Mühlenverein. Die Mitglieder und Förderer kommen aus der gesamten Metropolregion Hamburg und darüber hinaus. Von Beginn an war den handelnden Personen wichtig, hier Menschen aller Generationen und aller sozialen Schichten und Herkünfte einen Platz zu bieten, an dem sie ihre Fähigkeiten einbringen können und wo sie große Wertschätzung erfahren. Den Initiatoren des Vereins war von Anfang an nicht nur der Fortsschritt bei der Sanierung des Denkmal-Ensembles wichtig, sondern auch die Teilhabe möglichst vieler Menschen. Die Wassermühle Karoxbostel ist längst zu einem lebendigen Ort der Begegnung, zu einem Veranstaltungszentrum für die Region und zu einer touristischen Destination geworden. Diese Tatsache und die für jeden sichtbaren Erfolge bei der Sanierung des Denkmal-Ensembles haben das Projekt Wassermühle Karoxbostel zu einem Leuchtturm für ehrenamtliches Engagement werden lassen.

Sämtliche Arbeiten an dem denkmalgeschüzten Gebäude-Ensemble erfolgten mit dem Ziel, die stark beschädigten Gebäude für die Nachwelt zu erhalten und in einen lebendigen Ort der Begegnung für alle Generationen sowie Menschen mit und ohne Handicap zu verwandeln. Der Vorstand des Vereins entschied sich gemeinsam mit den behördlichen Denkmalpflegern für ein museales Konzept der Sanierung. Die kulturhistorische Aussagekraft der Gebäude sollte unbedingt erhalten bleiben. Beide Ziele wurden erreicht. Während der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten konnten Besucher stets den Fortgang der Arbeiten miterleben. Seit 2013 bietet der Verein Führungen für Besucher aus dem In- und Ausland sowie ein umfangreiches Kultur- und Umweltbildungsprogramm auf dem Mühlengelände an. Zudem beteiligt sich der Verein an regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen wie dem “Deutschen Mühlentag”, dem “Tag des offenen Denkmals” und den “Tagen der Industriekultur am Wasser in der Metropolregion Hamburg”. Alle Veranstaltungen – wie beispielweise Autorenlesungen, Konzerte, Kunstausstellungen, Theateraufführungen oder Märchenabende – sind kostenfrei für die Besucher und werden regelmäßig gut besucht. An der Wassermühle Karoxbostel, die inzwischen ein anerkannter außerschulischer Lernstandort in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ist, finden zahlreiche Bildungsprojekte statt. Die Mühle ist seit Januar 2016 Außenstelle des Standesamtes der Gemeinde Seevetal. Seither haben sich zahlreiche Brautpaare hier das Jawort gegeben. Das Mühlengelände wird auch für Gottesdienste verschiedener Konfessionen genutzt.

Die ehrenamtliche Arbeit war von Anfang an eine wichtige Säule bei der Sanierung der Gebäude. Seit April 2012 treffen sich an jedem Sonnabend Dutzende Freiwillige, um bei der Sanierung zu helfen. Die gemeinsame Arbeit hat bei den vielen ehrenamtlichen Helfern ein großes Gemeinschaftsgefühl und starke Identifikation mit dem Mühlenprojekt hervorgerufen. Auch viele erfahrene Fachkräfte und Freiwillige der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bringen sich mit Rat und Tat ein. Es bestehen Kooperationen des Vereins Wassermühle mit zwei Behinderteneinrichtungen, der örtlichen Grundschule, den zertifizierten Natur- und Landschaftsführen, dem Hegering Hittfeld und der lokalen Gruppe im Naturschutzbund Deutschland. Zu Beginn der Sanierungsarbeiten gab es auf Seiten der institutionellen Förderer durchaus Zweifel, ob dieses ehrgeizige Sanierungsprojekt aufgrund des schlechten baulichen Zustands gelingen könnte. Die Freigabe der ersten Fördermittel erfolgte nach Aussage des Geschäftsführers der Bingo Umwelt-Stiftung, Karsten Behr, nur aufgrund der enormen Einsatzbereitschaft der vielen freiwilligen Helfer.

Das große ehrenamtliche Engagement der Mühlenretter veranlasste zahlreiche Firmen in der Region, das Projekt Wassermühle Karoxbostel durch Sachleistungen und Materialspenden zu unterstützen. Die Sanierung des Gebäude-Ensembles wurde in fünf Projektschritten realisiert. Insgesamt wurden 426.100 Euro Fördergelder für die Sanierung des Haupthauses, der Wassermühle, der Sägerei und die Wiederherstellung der historischen Hofansicht ausgegeben. Die EU beteiligte sich mit 129.000 Euro, die Bundesrepublik Deutschland mit 48.000 Euro, das Land Niedersachsen mit 16.200 Euro, der Landkreis Harburg mit 28.000 Euro, die Gemeinde Seevetal mit 35.000 Euro, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 67.000 Euro, die Bingo Umwelt-Stiftung mit 40.000 Euro, der Lüneburgische Landschaftsverband mit 27.900 Euro, die Niedersächsische Sparkassenstiftung mit 20.000 Euro, die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit 15.000 Euro. Das herausragende ehrenamtliche Engagement der Mühlenretter bei der behutsamen und fachgerechten Sanierung des in der Region einzigartigen kulturhistorishen Kleinods wurde mit dem Landespreis für Denkmalpflege belohnt.

Historische Quellenlage

Die Wassermühle Karoxbostel ist in historischen Quellen seit ihrer urkundlichen Ersterwähnung 1438 sehr gut und ausführlich dokumentiert. Diese historischen Quellen waren den Initiatoren schon vor dem Beginn des Projekts bekannt. Einige der Initiatoren hatten bereits Erfahrungen mit Denkmalschutzprojekten, daher bestanden bereits Kontakte zu den behördlichen Denkmalpflegern und den auf kommunalpolitischer Ebene Verantwortlichen. Bei den ersten Aufräumarbeiten im Haupthaus wurden die original Bau- und Konstruktionspläne der Mühle von 1893, der Original-Bauplan der Sägerei von 1900 und der Umbauplan des Haupthauses von 1895 gefunden. Nach diesen Plänen wurden auch die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Für die Sanierung der Mühlentechnik waren Müllermeister Franz Rosenkranz und die Mühlenbaufirma Pätzmann aus Winsen/Luhe verantwortlich. Die Firma Pätzmann hatte die Mühle bereits 1893 errichtet.

Die Sanierungsarbeiten

Die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten mussten aufgrund des extrem schlechten baulichen Zustand der Gebäude schnell beginnen, um einen Total-Verlust des Ensemble zu verhindern. Daher orientierten sich die Sanierungsschritte am Zustand der einzelnen Gebäudeteile. Die staatlichen Denkmalpfleger unterstützten die schnelle Aufnahme der Arbeiten und begleiteten die einzelnen Sanierungsschritte kontinuierlich.

Der Verein Wassermühle hat zu Beginn der Arbeiten einen Statiker, mehrere Architekten und einen Schädlingsexperten mit der Begutachtung der Gebäude beauftragt. Eine Restauratorin im Handwerk begleitet die Sanierungsmaßnahmen von Beginn an. Sie leitet die ehrenamtlichen Helfer an, damit die Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden. Bei einigen Arbeiten half ein Diplom-Restaurator, der mit Freiwilligen der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an der Mühle arbeitete.

Das Projekt Wassermühle wurde vor dem Hintergrund begonnen, dass auch im Landkreis Harburg immer mehr Identität stiftende Gebäude abgerissen werden. Die Mühle war über Jahrhunderte ein zentraler Ort in der Region und sollte dies wieder werden

Die technischen Probleme erschienen groß vor Beginn der Sanierungsarbeiten. Durch die hervorragende Zusammenarbeit von Denkmalpflege, Handwerkern, Restauratorin und ehrenamtlichen Mühlenrettern wurden alle Probleme schnell gelöst. Ein Beispiel: Bevor das Haupthaus und die Mühle sicher eingerüstet werden konnten, um die Dächer zu sanieren, mussten zunächst die ehemalige Jauchegrube saniert werden und umgestürzte Bäume beseitigt werden.

Bei der Sanierung wurde sehr behutsam vorgegangen, da möglichst viel von der Originalsubstanz der Gebäude erhalten bleiben sollte. Notwendige Ergänzungen oder Reparaturen wurden in den alten Handwerkstechniken ausgeführt (z.B. traditionelle Holzverbindungen, Lehmputz, Streichen mit Kaseinfarben oder Leinöl,

Die Restaurierungen wurden in alter Handwerkstechnik ausgeführt. Viele erfahrene Handwerker und Handwerksmeister, darunter Maurer, Maler, Zimmerer, Tischler, Gärtner, Dachdecker, Steinsetzter, Elektriker, Schlosser, Klempner, Ofensetzer, Schornsteinfeger und Heizungsbauer sowie zahlreiche Landwirte arbeiten seit Jahren ehrenamtlich an der Wassermühle. Hinzu kommen mehrere Ingenieure und Architekten. Unverzichtbar bei der Wiederherstellung und der Instandsetzung der Mühlen- und der Sägerei-Technik waren die Kenntnisse des erfahrenen Müllermeisters und eines erfahrenen Schlossermeisters. Im Jahr 2016 wurden an der Wassermühle Karoxbostel 15 “freiwillige Müller” ausgebildet, die eine Prüfung vor einer Kommission der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen ablegen mussten. Das erworbene Zertifikat ist Voraussetzung für den fachgerechten Betrieb und die Wartung der historischen Maschinen und der gesamten Anlage.

Bei der Sanierung wurde darauf geachtet, weitestgehend historische Baumaterialien wie Lehm, Kalk, Holz oder Reichsformatsteine zu verwenden. Eine Ausnahme wurde bei den Materialien für den neuen Sanitärtrakt gemacht.

Erreichte Ziele

Durch die behutsame Sanierung des Denkmal-Ensembles ist es gelungen, die Authentizität und Zeugniskraft weitestgehend zu erhalten. Gleichzeitig werden die sanierten Gebäude für vielfältige Veranstaltungen genutzt. Als Anerkennung für die fachgerechte Sanierung erhielt der Verein Wassermühle Karoxbostel den Landespreis 2016/2017 für Denkmalpflege. Seit September 2017 ist die Wassermühle Karoxbostel zudem vom Niedersächsischen Kultusministerium als außerschulischer Lernstandort in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) anerkannt. Im September 2017 wurde mit der Neueindeckung des Reetdaches auf der Südseite des Haupthauses nicht nur die Sanierung des Denkmal-Ensembles abgeschlossen, sondern durch den Umbau des nicht denkmalgeschützten ehemaligen Schweinestalls auch die Sanierung des gesamten Hof-Ensembles vollendet.

Vielseitige Angebote für die Region

Das kulturhistorische Kleinod Denkmal-Ensemble Karoxbostel steht für gemeinsames Arbeiten, Besichtigungen, kulturelle Veranstaltungen, Natur- und Umweltprojekte, Feiern und Trauungen allen Interessierten offen. Nach der Vollendung der Sanierung des Hof-Ensembles ist das nächste Ziel die Schaffung eines Kultur- und Erlebnisgartens auf dem Areal des ehemaligen Nutzgartens und der ehemaligen Hofweide der Wassermühle. Die bereits 2013 angelegte Streuobstwiese, ein Bauerngarten mit Kräuterspirale und Bienenkörben werden ebenso in das neue Projekt einbezogen wie die Hühner, die seit 2015 auf dem Mühlengelände in Freilandhaltung leben. In Zukunft sollen Besucher, insbesondere Kinder, beispielsweise den Weg des Getreides mit allen Sinnen erleben – vom Sähen über das Ernten und Vermahlen bis zum Backen des Vollkornrotes. Wie im Mühlenwald, wo zahlreiche Holzskulturen und alte Baumriesen die Fantasie von Erwachsenen und Kindern anregen, sollen auch der neue Garten zu einem besonderen Ort werden, wo Menschen mitmachen, entdecken und probieren und gemeinsam lernen können.

Die Mühle war bis zur Einführung der Gewerbefreiheit in Nordddeutschland im Jahr 1869 eine Zwangsmühle. Bauern aus einem Umkreis von über 60 Kilometern mussten ihr Getreide in der Wassermühle Karoxbostel mahlen lassen. Jahrhundertelang war die Mühle in Karoxbostel ein wirtschaftlicher und sozialer Mittelpunkt in der Region. Seit Mitte der 1920er Jahre hatte die Mühle zunehmend an Bedeutung verloren bis Sägerei und Mühle schließlich ganz stillgelegt wurden und der gesamte Hof dem Verfall preisgegeben war. Durch die Sanierung der Mühle wurde dieser Jahrhunderte alte Mittelpunkt wieder aktiviert. Heute ist die Wassermühle Karoxbostel wieder zu einem lebendigen Ort der Begegnung für die Menschen in der Region geworden.

Kosten und Finanzierung der Sanierung

Für die Sanierung und Restaurierung des Haupthauses, der Mühle, der originalen Hofansicht, der Sägerei und des Schweinehauses wurden 488.100 Euro Fördergelder benötigt und eingeworben

Der Verein Wassermühle Karoxbostel sammelt bei den zahlreichen Veranstaltungen auf dem Mühlengelände Spendengelder für die Sanierung und den Erhalt des Denkmal-Ensembles. Als weitere Projekt-Förderer konnten Institutionelle Förderer (EU, Bund, Land, Kreis, Gemeinde) und Stiftungen (Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bingo Umweltstiftung, Sparkassenstiftung, Lüneburgische Landschaftsverband) gewonnen werden.

Die EU unterstützte das Denkmal Projekt Wassermühle Karoxbostel mit 129.000 Euro. Hinzu kommen noch 50 000 Euro EU-Fördergelder für die Sanierung des nicht denkmalgeschützten Schweinehauses des Hofensembles.

Es gab keine Schwierigkeiten bei der Fertigstellung des Projekts.

„Meine Mühle“- die Mühlenretter

Das Projekt Wassermühle Karoxbostel hat gezeigt, dass eine hohe Qualität der Sanierung eines Gebäudes auch mit ehrenamtlichen Kräften erreicht werden kann. Das Anlernen und Qualifizieren von Laien hat zu einer großen Identifikation mit dem Projekt geführt. Diese Identifikation ist nicht auf die reinen Sanierungsmaßnahmen beschränkt, sondern bezieht sich auf das gesamte Projekt – auch auf die kulturellen, sozialen sowie die Natur- und Umweltprojekte, die vom Verein initiert werden. Durch den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer und die Öffnung des Objekts während der Sanierungsphase musste die Sanierung teilweise etwas unorthodox angegangen werden. So hätte zum Beispiel die sonst verbindliche komplette Schadensaufnahme vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen zu einer großen Demotivation der Helfer geführt. Das Projekt konnte aber nur mit stark motivierten Aktiven bewältigt werden. So wurde Punkt für Punkt abgearbeitet, immer in enger Abstimmung mit den hauptamtlichen Denkmalpflegern. Jeder abgeschlossene Schritt wurde gewürdigt und gefeiert.

So konnte die Motivation der Helfer über die Jahre ständig gefördert, aufrecht erhalten und das Projekt erfolgreich beendet werden.

Bedeutung des Baudenkmals Wassermühle Karoxbostel

Die besondere historische Bedeutung der Wassermühle Karoxbostel liegt darin, dass sie ein einzigartiges Baudenkmal für die Region ist. Wegen der Vollständigkeit des Ensembles und des Erhalts der Ausstattung ist die Wassermühle Karoxbostel in der Region einmalig. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude von 1817 ist ein früher Vertreter der Vierständerbauweise. Die Ausstattung des Wirtschaftsteils stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, die des Wohntrakts aus der Zeit um 1900. Das dreigeschossigee Mühlengebäude stammt aus dem Jahr 1893. Die Mühlentechnik und das Zubehör – wie zum Beispiel Mahlgänge, Elevatoren, Sichter und Walzenstuhl – sind weitesgehend erhalten und wieder voll funktionstüchtig. Dies gilt auch für die Sägerei mit einem Venezianischen Gatter aus dem Jahr 1900. Zum Hofensemble gehören auch die im Mittelalter angelegten Mühlenteiche, das einstige Backhaus und das ehemalige Schweinehaus.

Darüber hinaus liefern die geborgenen Archivalien aus der Mühle neue Erkenntnisse für die regionale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Sogar die originalen Bau- und Konstruktionspläne sowie die bis 1780 zurückreichenden Mühlenbücher sind vorhanden. Der Verein Wassermühle wurde 2016/17 mit dem Landespreis für Denkmalpflege ausgezeichenet. Auch diese Tatsache belegt die Qualität des Gebäude-Ensembles.

Im September 2017 ist die Mühle vom Niedersächsischen Kultsministerium als außerschulischer Lernstandort in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung anerkannt worden. Diese Zertifizierung wurde erreicht durch das seit 2013 bestehende umfangreiche Bildungsangebot im Bereich Umwelt und Natur auf dem Mühlengelände. Daneben gibt es auf dem Mühlengelände auch ein vielfältiges Kulturangebot: Unter anderem waren bekannte Schauspiel-Ensembles wie das Thalia Theater Hamburg und das junge Schauspielhaus Hamburg sowie die Niedersächsischen Literaturtage bereits zu Gast an der Wassermühle. Musik, Tanz, Literatur, Märchen und die Regionalsprache Plattdeutsch haben ihren festen Platz im Veranstaltungskalender.

Die rund 1100 Miglieder des 2012 gegründeten Vereins Wassermühle Karoxbostel e.V. kommen aus allen sozialen Schichten und allen Altersgruppen. Sie alle teilen die Erfahrung, dass es sich lohnt, sich gemeinsam für ein gutes Ziel einzusetzen. In einigen Hundert Medienberichten wurde die Leistung der Mühlenretter gewürdigt. Viele Menschen erfahren durch das Mühlenprojekt Bestättigung und Wertschätzung. Zudem wird durch die vielfältige Nutzung der historischen Gebäude für alle sichtbar, dass sich der Einsatz für die Rettung solcher Denkmale lohnt und überaus sinnstiftend ist.

Bedeutung der Mühlen

Mühlen sind in ganz Europa seit Jahrhunderten Orte, an denen Menschen  unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen.

Mühlen haben in ihrer Vielfalt die technische Entwicklung der europäischen Geschichte geprägt und waren europaweit wichtiger Bestandteil des Lebensalltags. Dies vor dem Vergessen zu bewahren, ist uns ein wichtiges Anliegen. Die Mühlentechnik ist in allen Ländern ähnlich, sodass ein Austausch über Betrieb, Wartung und Pflege zwischen Mühleninteressierten aus verschiedenen Ländern problemlos möglich ist. Aber Mühlen faszinieren nicht nur Technik begeisterte Menschen: Mühlen sind “magische Orte”. Um viele Mühlen ranken sich geheimnisvolle Geschichten. Diese Geschichten zu erzählen, ist spannend und führt dazu, dass Fremde im Gegenzug ihre Geschichten erzählen.

Die Initiative einer „Via Molina“, einer europäische Kulturstraße der Mühlen, wird vom Verein Wassermühle Karoxbostel ausdrücklich begrüßt und nach Kräften unterstützt. Mühlenstandorte und Wege in ganz Europa sollten noch stärker als bisher dem touristischen Interesse erschlossen werden, um dadurch das Bewusstsein für eine gemeinsame europäische Kultur zu stärken. Die Wassermühle Karoxbostel ist bereits Teil der Niedersächsischen Mühlenstraße.

Der Verein Wassermühle Karoxbostel e.V. hat seit Beginn des Projekts darauf geachtet, den Mühlenhof allen Interessierten zugänglich zu machen. Das Gelände ist immer zugänglich und steht auch Nichtmitgliedern offen. Führungen werden auf Wunsch in verschiedenen Sprachen angeboten. Das Denkmal-Ensemble in Karoxbostel ist auch Treffpunkt für Müller aus nah und fern. Der Verein Wassermühle Karoxbostel pflegt Kontakte zu vielen Mühlenbegeisterten im In- und Ausland. Mitglieder des Vereins veröffentlichen regelmäßig Beiträge in Fachzeitschriften. Durch seine verkehrsgünstige Lage und seine Größe ist das Mühlengelände prädestiniert für den Austausch und das Treffen unterschiedlichster Gruppen.

Öffnungszeiten der Wassermühle Karoxbostel

Das Denkmalensemble Wassermühle Karoxbostel ist ganzjährig für Besucher und Besuchergruppen geöffnet.

An jedem Sonnabend arbeiten Dutzende ehrenamtliche Helfer auf dem Mühlengelände. Jeder ist willkommen. Auch an Wochentagen treffen sich Freiwillige zum Arbeiten und zum Gedankenaustausch an der Mühle. Die Mühle ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der Verein nimmt alljährlich am bundesweit stattfindenden “Deutschen Mühlentag” und am “Tag des offenen Denkmals” sowie an den “Tagen der Industriekultur am Wasser” teil. Auch veranstaltet der Verein einen Adventsmarkt. Zudem bietet der Verein ein umfangreiches Natur- und Umweltprogramm für Schüler- und Kindergartengruppen an. Im Jahr 2016 sind 15 freiwillige Müller ausgebildet worden, um auch in Zukunft den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Tausende Besucher nutzen jährlich die Angebote der Wassermühle.

Die Mühle ist Sonnabends von 10 bis 13 Uhr ohne Anmeldung zu besichtigen. Darüber hinaus sind Führungen nach Absprache an jedem Wochentag möglich.

Sanierungsschritte von 2012 bis 2017

  • Ein Dutzend große Container mit Unrat sowie zahlreiche PKW-Anhänger-Ladungen voller Sondermüll und Schrott wurden entsorgt.
  • 50 Kubikmeter Mist wurden mit Forken und Radlader aus dem Wirtschaftsteil entfernt.
  • Das marode Backhaus konnte komplett in Eigenleistung saniert werden: Der Dachstuhl und die Eindeckung wurden erneuert. An den Giebelseiten wurden gußeiserne Fenster eingesetzt. Von Vereinsmitgliedern  wurde ein historischer Lehmbackofen wieder aufgebaut, dieser ist seit 2014 wieder in Betrieb. Zusätzlich wurde eine Backstube ausgebaut und komplett eingerichtet- teilweise mit historischem Gerät. 
  • Das Reetdach des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes wurde saniert.
  • Das Zwerchhaus wurde neu aufgebaut.
  • Die modernen Einbauten, wie Kalksandsteinwände, Glasbausteine oder Badezimmer wurden komplett entfernt.
  • Zwei Jauchegruben wurden saniert.
  • Vor dem Haus wurde ein Bauerngarten angelegt.
  • Die Kopflinden und die Hainbuchenhecke vor dem Haus wurden zurückgeschnitten.
  • Eine Streuobstwiese mit historischen Obstsorten wurde angelegt. Zwischen den Obstbäumen wurden Beerenobststräucher gepflanzt und eine Kräuterschnecke gebaut.
  • Auf dem Hof wurde historisches Rippenpflaster aus der Zeit um 1800 freigelegt.
  • Ein neuer Teich-Mönch wurde gebaut. Der Aalfang wurde repariert.
  • Ein Teil des Bachlauf wurde renaturiert.
  • Die historischen Fenster und Türen wurden restauriert, die Pferdeklappen neu gebaut.
  • Die Schornsteine wurden wieder aufgemauert und die Pfannensättel auf dem Dach wieder hergestellt.
  • Die Mühle wurde vom Erdgeschoss bis zum Dachgeschoss grundsaniert. Die gesamte Mühlentechnik wurde generalüberholt.
  • Ein neues Wasserrad und ein neues Gerinne wurden eingebaut.
  • Das Stauwehr wurde instand gesetzt.
  • Eine moderne Zentralheizung wurde eingebaut.
  • Der Boden über Stall und Diele sowie der Fußboden in der kleinen Stube wurden saniert.
  • Die Elektrik in Haupthaus, Mühle, Sägerei und Backhaus wurde komplett erneuert.
  • Im ehemaligen Jungviehstall wurde der Sanitärtrakt eingebaut.
  • In der Müllerstube wurde die Wandmalerei aus dem 19. Jahrhundert restauriert. Weitere Malereien aus dem 19. Jahrhundert konnten im Wohnhaus freigelegt werden; ihre Restaurierung dauert noch an.
  • Die Reste der Sägerei wurden demontiert. Anschließend wurden das Fundament saniert, die gesamte Technik inklusive des Venezianischen Gatters restauriert und das hölzerne Gebäude nach den Original-Plänen wieder aufgebaut.Die Sägerei ist voll fuktionstüchtig.
  • Die historische Hofansicht wurde wiederhergestellt. Im Zuge dieser Arbeiten wurde ein behindertengerechter Zugang zum Sanitärtrakt geschaffen.
  • In Küche, Futterküche und Mühlenstube wurden die Fliesenfußböden wieder hergestellt.
  • An zahlreichen Wänden wurde schadhafter Lehmputz ausgebessert oder erneuert.
  • Im ersten und zweiten Obergeschoss des Wohntraktes wurde der Holzfußboden neu verlegt.
  • Auf der Südseite des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes wurde die ursprüngliche Raumsituation wieder hergestellt.
  • Das ehemalige Schweinhaus wurde kompett saniert und zu einem Gruppenraum und einer Werkstatt umgebaut