26. August 2017

Das Reetdach erstrahlt in neuem Glanz und im frisch sanierten Schweinestall werden erstmals Kunstwerke präsentiert: Bei strahlendem Sonnenschein haben Mitglieder des vor fünf Jahren gegründeten Mühlenvereins und zahlreiche Gäste, darunter die Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler und Michael Grosse-Brömer, auf dem Gelände der Wassermühle Karoxbostel die offizielle Einweihung des sanierten Denkmal-Ensembles gefeiert.

Die Einweihungs- und 200-Jahr-Feier bildet sozusagen den Abschluss einer langen Geschichte, denn die Mühle ist über Jahre von Freiwilligen in Schwung gebracht worden. Im Jahr 2012 hatte der Verein Wassermühle Karoxbostel das Hofensemble gekauft, auf dem die denkmalgeschützte Mühle steht. Damals waren die Gebäude kaum mehr als Ruinen. Doch die Mitglieder des Mühlenvereins – mit über 1000 Mitgliedern mittlerweile der größte in Deutschland – packten kräftig an und brachten die Mühle, das 200 Jahre alte reetgedeckte Haupthaus, die benachbarte Sägerei, das Backhaus und zuletzt den ehemaligen Schweinestall wieder auf Vordermann.

„Die Karoxbosteler Mühlenretter haben es geschafft, innerhalb von wenigen Jahren aus einem total herunter gekommenen Denkmal-Ensemble einen lebendigen Ort der Begegnung zu machen“, würdigte der Oberkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Klaus Püttmann, in seinem Festvortrag die Leistung der Mühlenretter. Die Nutzung eines denkmalgeschützten Gebäudes sei oftmals ein Problem. In Karoxbostel gebe es hingegen einen „ganzen Strauß“ von unterschiedlichen Nutzungen: Auf dem Mühlengelände finden Bildungsprojekte für Schüler, Kulturveranstaltungen, Führungen, Vorträge, Feiern und auch standesamtliche Trauungen statt. „Was würde es die Gemeinde wohl kosten, wenn Sie für diese vielfältigen Aktivitäten ein neues Zentrum bauen müsste?“, fragte Dr. Püttmann die anwesenden Politiker und die sehr zahlreich erschienen Vereinsmitglieder.

In einer Andacht wies Pastor i.R. Georg Stiller auf das große Gemeinschaftsgefühl hin, das während der vergangenen Jahre an der Mühle entstanden sei. Der Fleestedter Posaunenchor unter Leitung von Britta Oldsen sorgte für den passenden musikalischen Rahmen. Die Mühle sei ein Ort, wo Kinder und Erwachsene, Jugendliche und Alte gern zusammen kommen, wo Menschen Atem holen, wo sie kreativ sein können und wo sie auch zur Besinnung kommen. Die Inschrift über der Groot Dör des 1817 erbauten Haupthauses „Wer Gott vertraut hat wohl gebaut – den wird er nicht verlassen“ habe für die Menschen, die auf dem Hof lebten und arbeiteten, zu allen Zeiten ihre Bedeutung behalten. „Die Mühle ist ein Ort, wo sich Menschen und Tiere wohl fühlen können“, sagte Pastor Stiller, selbst aktives Mitglied des Mühlenvereins.

Seevetals Bürgermeisterin und Mühlenfreundin Martina Oertzen würdigte in ihrem Grußwort die vielen tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die die Mühlenaktiven bei der Sanierung des Denkmal-Ensembles geleistet haben. „Wenn der Verein vor fünf Jahren nicht den Mut gehabt hätte, diese Aufgabe anzupacken, ständen hier jetzt wahrscheinlich Reihenhäuser“, stellte die Bürgermeisterin fest.

Die Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler hatte es sich trotz ihres Geburtstages nicht nehmen lassen, zur Wassermühle zu kommen. Sie schilderte der Festgemeinde ihren ersten Besuch in der Wassermühle. „Ich hab schon gedacht: die sind ein bisschen verrückt, aber die Zuversicht und das Engagement mit dem die Mühlenaktiven angepackt haben, hat mich schon damals überzeugt“. Im Anschluss an ihre Rede stimmten alle Gäste ein Geburtstagsständchen für die prominente Mühlenfreundin an. „Wir singen immer für unsere Geburtstagskinder“, erklärte Emily Weede diese spontane Einlage.

Der nächste Gratulant war der Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke, der das Projekt Karoxbostel seit der Gründung des Vereins 2012 unterstützt. In seiner launigen, auf Plattdeutsch gehaltenen Rede („schließlich wurde in Karoxbostel vor 200 Jahren auch nur Plattdeutsch gesprochen“) zählte er die Gründe für den Erfolg des Vereins auf. Unter anderem hätte die Vorsitzende Emily Weede schließlich mehrere Jahre lang für das Freilichtmuseum am Kiekeberg in der Moisburger Amtsmühle gearbeitet und Ehemann Carsten hätte sich als Redakteur besonders gut um die Pressearbeit kümmern können. Die letzte Rede an diesem sonnigen Nachmittag hielt der Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, Karsten Behr.

Er zitierte aus dem ersten Antrag der Wassermühle von 2012 und die interne Beurteilung der Bingostiftung. „Damals haben wir nicht wirklich an den Erfolg des Projekts geglaubt, aber die vielen ehrenamtlichen Helfer haben die Stiftung doch dazu veranlasst, die ersten 20 000 Euro zu bewilligen. Heute sind wir stolz auf den Erfolg und was in Karoxbostel entstanden ist.“  Zum Abschluss der Feierstunde, die von der bekannten BlueMinors SwingBand musikalisch begleitet wurde, überreichte die Schatzmeisterin Christina Dohrmann die Reproduktion eines Ölgemäldes der Wassermühle, das 2012 kurz vor der Vereinsgründung aus dem Hause gestohlen worden war an Emily Weede.

Anschließend plauderten auch die weiteren Ehrengäste und die vielen Vereinsmitgliedern bei leckerer Gulaschsuppe und süffigem Bier noch lange an diesem lauen Sommerabend über die vergangenen fünf Jahre und natürlich auch über neue Projekte. Zu den Gästen, die zu diesem besonderen Fest an die Wassermühle gekommen waren, gehören Michael Grosse-Brömer (MdB), Heinz Lüers (Sparkasse Harburg-Buxtehude), Isabel Klindworth (Sparkassenstiftung Harburg-Buxtehude), Dieter Kunze (Deutsch Stiftung Denkmalschutz), Ulf Thiele (Bingo-Umweltstiftung), Rüdiger Heßling (Vorsitzender der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen), Carina Meyer (Freilichtmuseum am Kiekeberg), Günter Schwarz (ehemaliger Seevetaler Bürgermeister), Angelika Tumuschat-Bruhn (Ratsvorsitzende Seevetal), Thomas Fey (Ortsbürgermeister Hittfeld), Norbert Fraederich (ehemaliger Hittfelder Ortsbürgermeister), Andreas Schmidt (Gemeinde Seevetal), Svenja Riebau (Gemeinde Seevtal) und Rabea Scheidat (Sparkasse Harburg-Buxtehude). Bereits am Vortag hatte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Ralf Stegner, begleitet von Svenja Stadler und dem Landtags-Kandidaten Tobias Handtke, die Wassermühle besichtigt und sich dort vom Kreisarchäologen Dr. Jochen Brandt neueste archäologische Funde aus Karoxbostel sowie von Emily Weede eine Fotoausstellung mit Mühlenbildern von Matthias Clausen und eine Kunstausstellung mit Werken des Ateliers Farbwelten aus dem Haus Huckfeld zeigen lassen.

Rechtzeitig zur offiziellen Einweihung ist auch die 240 Seiten starke Festschrift des Vereins Wassermühle Karoxbostel erschienen. In vielen Artikeln und auf fast 1000 Fotos wird darin die Sanierung der Wassermühle und der angrenzenden Gebäude dokumentiert. Da die Festschrift bereits bei der 200-Jahr-Feier reißenden Absatz fand, können zum Tag des offenen Denkmals, der am Sonntag, 10. September, auf dem Mühlengelände in Karoxbostel gefeiert wird, nur noch wenige Exemplare zum Kauf angeboten werden.

Carsten Weede
Henry-Henschen-Allee 1
21218 Seevetal
Tel.: 04105/2443